PRESSEMITTEILUNG

Stellungnahme des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) zu den Behauptungen in der Basler Zeitung vom 20. Dezember 2018

Die Basler Zeitung hat in ihrer Donnerstagausgabe vom 20. Dezember 2018 zwei Artikel mit den Titeln „Umstrittener Islamverein in Binningen“ und „Religiöse Indoktrination befürchtet“ publiziert. Darin werden unter anderem Vorwürfe und Behauptungen vorgetragen, die wir zurückweisen und wie folgt richtig stellen möchten.

 

Wer sind wir?

Der Verband der Islamischen Kulturzentren ist ein unabhängiger Verein, welcher 1979 nach schweizerischem Recht in Zürich gegründet wurde. Er bietet den, in der Schweiz lebenden Menschen muslimischen Glaubens, seit fast 40 Jahren Möglichkeiten zur Religionsausübung an. Dazu gehören unter anderem die Einrichtung von Gebetshäusern und deren Betrieb, seelsorgerische Tätigkeiten, Unterweisung in die Lehre des islamischen Glaubens und Wahrung der islamisch kulturellen Werte. Der VIKZ ist parteipolitisch neutral und bekennt sich vorbehaltlos zur freien demokratischen Rechtsordnung der Schweiz.

 

Islamverständnis des VIKZ und seine Beziehung zu Süleyman Hilmi Tunahan

Der VIKZ vertritt den sunnitischen Islam. In seiner Praxis orientiert er sich grundsätzlich an der hanefitischen Rechtsschule. Darüber hinaus pflegt er auch mystische Elemente wie Gottesgedenken und Meditation gemäss der Naqschibendiyye und fühlt sich dem Gelehrten Süleyman Hilmi Tunahan verbunden, dessen Schüler den VIKZ in der Schweiz gegründet haben. Süleyman Hilmi Tunahan war ein türkischer Theologieprofessor, welcher der sunnitisch-hanefitischen Ausrichtung des Islam und der mystischen Lehre des Naqschibendiyye zuzuordnen ist. Nach Abschaffung der theologischen Hochschulen, wurde er in der Entstehungsphase des jungen türkischen Staates zum Prediger, in den Istanbuler Moscheen, berufen.

Der VIKZ steht für ein Islamverständnis, bei dem die Wertschätzung der gesamten Schöpfung und Spiritualität eine grosse Rolle spielt. Er distanziert sich von jeglicher Art Extremismus, Fanatismus, Radikalismus, Antisemitismus und Rassismus und lehrt einen respektvollen Umgang mit Andersgläubigen. Seine fast 40-jährige Präsenz in der Schweiz ohne irgendwelche extreme Ausartung zeigt den Einklang des VIKZ mit der schweizerischen Rechtsordnung.

 

Beim VIKZ Deutschland handelt es sich um eine Schwesterorganisation des VIKZ Schweiz und es besteht ein regelmässigen Erfahrungsaustausch. Beide Vereine sind aber Selbständig und rechtlich unabhängig voneinander. Zu den gemachten Aussagen im oben genannten Artikel, gibt es auf der Webseite www.vikz.de ausführliche Stellungnahmen und Informationen. Siehe  Pressemitteilungen der Jahre 2008 und 2010).

 

 

Richtigstellung

Behauptungen und Vorwürfe, dass sich hinter der freundlichen Fassade des VIKZ islamistische Kräfte verbergen welche westliche Zivil- und Strafgesetze nicht anerkennen oder die schweizer Zweigstellen würden zentral von Köln aus koordiniert und es handle sich beim VIKZ um eine extrem konservative, politische Strömung, mit religiösem Anschein  oder gar eine autoritäre, ja sogar faschistoide Organisation und hätte Ähnlichkeit mit einer Sekte,  sind falsch und stellen eine Verleumdung dar.

 

Entgegen der Darstellungen im Artikel haben Süleyman Hilmi Tunahan und seine Schüler sich immer im Rahmen der türkischen Gesetze bewegt und sich für die Trennung von Religion und Staat eingesetzt. Sie kritisierten unter anderem auch die Intervention des Staates in religiöse Angelegenheiten. Ferner stufen Experten diese Bewegung keineswegs als islamistisch, extrem oder radikal ein. (Siehe Interview vom 18. Dezember 2018 auf Tele Basel mit dem Leiter der Fachstelle für Extremismus und Gewaltprävention).

 

Die Beschreibung „geleitet von einer tiefen Spiritualität, welche das Wohl und das friedliche Zusammenleben aller Menschen fördern will“ finden wir zutreffender.

 

Auch der Vorwurf der Indoktrination ist nicht haltbar, denn wie im Artikel der Basler Zeitung vom 20 Dezember erwähnt, kommt eine jüngere Studie der Migrationsforscherin Prof. Dr. Boos-Nünning zum Ergebnis, dass die Jugendlichen, in den Schülerwohnheimen des VIKZ, weder religiös noch politisch indoktriniert werden. Boos-Nünning kritisiert zudem das Gutachten von Spuler-Stegemann aus dem Jahre 2004, als wissenschaftlich nicht fundiert.

 

„An verschiedenen Stellen schreibt sie von mangelnder Integration, Abschottung, fehlender Toleranz in den Werthaltungen der Schüler und Schülerinnen und von antichristlichen Äußerungen. Das Problem des Gutachtens ist, dass kaum eine Aussage belegt wird. Es wird nicht mit empirischen Daten oder auch nur Einzelerfahrungen auf der Ebene der Beschreibung argumentiert, sondern viele Aussagen lassen die emotional ablehnende Grundhaltungen der Verfasserin erkennen…“ (http://vikz.de/index.php/publikationen.html; Beten und Lernen, Seite 7).

 

 

Das Bauvorhaben in Binningen

Es ist richtig, dass der VIKZ ein Gebäude in Binningen für ca. CHF 5,8 Mio. erworben hat, in dem er ein Kulturzentrum mit Gebetsmöglichkeiten und ein Jugendinternat einrichten möchte. Das Jugendinternat soll muslimischen Jugendlichen in religiösen und schulischen Belangen zur Seite stehen, sie über die eigene Religion informieren und in ihrer schulischen Bildung durch Hausaufgaben- und Nachhilfe fördern.

 

Der VIKZ hat nicht die Absicht eine eigene Schule einzurichten. Die Kinder sollen die öffentliche Schule besuchen. Im Jugendinternat werden die Kinder und Jugendlichen durch unterschiedliche Angebote gefördert.

 

Unser Hauptanliegen ist, dass die Jugendlichen voll in die schweizer Gesellschaft integriert werden und Chancengleichheit auf ihrem Berufsweg erhalten.

 

Der VIKZ betreibt in der Schweiz bereits drei Jugendinternate die von den entsprechenden, kantonalen Stellen beaufsichtigt werden. Wir möchten an dieser Stelle auch darauf verweisen, dass es in der Schweiz etliche geschlechtergetrennte Internate oder Heime gibt und dass eine solche Betreuungsform nichts Ungewöhnliches ist.

 

 

Finanzielle und staatliche Unabhängigkeit

Der VIKZ Schweiz ist finanziell unabhängig und erhält entgegen der gemachten Aussagen keine finanzielle Unterstützung von irgendwelchen Staaten. Die Finanzierung seiner Gemeinden erfolgt ausschliesslich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen sowie aus Erlösen von Wohltätigkeitsbasaren. Daher ist die Behauptung bzw. die Vermutung, dass der türkische Staat die neue Moschee zumindest teilweise finanziert und entsprechend Einfluss nimmt falsch.

Die basler Gemeinde des VIKZ suchte seit fast 30 Jahren nach einem geeigneten Objekt. In dieser Zeit konnte auch der Betrag zur Anzahlung des Gebäudes angespart werden. Zur restlichen Finanzierung wurde ein Kredit bei einer regionalen Bank aufgenommen.

 

Geschlechtertrennung beim rituellen Gebet

Eine Geschlechtertrennung innerhalb des Kulturzentrums ist Bestandteil der Planungen. Vor allem die rituellen Gebete erfordern eine geschlechtliche Trennung, wie es auch in anderen Glaubensgemeinschaften praktiziert wird. (Bsp. Siehe Haus der Religionen in Bern) Dies wird planungstechnisch durch getrennte Gebetsräume für Frauen und Männer umgesetzt. Eine Geschlechtertrennung ist für Kinder und Jugendliche bis zur Pubertät nicht notwendig da Jugendliche im Islam erst ab der Pubertät als Mündig gelten. Um Missverständnissen vorzubeugen und um zu einem transparenten Prozess beizutragen, werden wir unser Baugesuch dementsprechend überarbeiten.

 

Falsche bildliche Darstellung des Kulturzentrums des VIKZ in Zürich

Abschliessend möchten wir darauf hinweisen, dass der Artikel „Religiöse Indoktrination befürchtet“  mit einem falschen Bild eines anderen Kulturzentrums versehen ist, bei welchem es sich nicht um ein Kulturzentrum des VIKZ handelt.

 

Wir hoffen, mit dieser Stellungnahme zur Aufklärung beizutragen.

 

Fehmi Yıldız

Präsident des VIKZ

 

Basel, 27.12.2018

 

 

Verband der Islamischen Kulturzentren Zürich ● Birmensdorferstr. 273 ● 8055 Zürich

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